Artikel-Schlagworte: „zweijährige oder dreijährige Mischung?“

Neue Diskussion zur Altersmischung Tsp.vom 27.September 2011

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Sehr geehrte Frau Hecht, sehr geehrte Frau Vieth-Entus,,,,,

als noch immer überzeugte Unterstützerin des Unterricht in jahrgangsübergreifenden Klassen (Erfahrung in der Peter-Petersen-Schule) habe ich mit großem Vergnügen beobachtet, wie Sie beide durch die Gegenüberstellung der beiden Erfahrungsberichte aus der Carl-Kraemer-Grundschule und der Sonnengrundschule ein wahrhaft großartige didaktische Leistung vollbracht haben: Es wird deutlich, aus welchen Gründen JüL in Wedding “funktioniert” und in Neukölln nicht:
1. Der wichtigste Grund ist die Form der Altersmischung ( 2 oder 3 Jahrgänge).
Bei der Zweiermischung, wie in der Sonnenschule, verlieren die Kinder nach einem Jahr die Hälfte ihrer Klassenkameraden und alle ihre (potentiellen) Vorbilder und sollen deren Rolle übernehmen. Die Lehrer müssen bei Schnelllernern bereits nach einem Jahr festlegen, dass sie den Anforderungen einer 3. Schuljahres gewachsen sind, ein Ausprobieren ist (fast) nicht möglich. Langsamere Lernen haben wenig Chance gelassen den Anschluss zu gewinnen.
In der Dreiermischung stoßen die Schulanfänger auf zwei Drittel von Mitschülern, die bereits Schulerfahrungen haben. Sie bleiben mit einem Drittel zwei Jahre zusammen und haben genügend Zeit sich zu entwickeln. Der Lehrer kann sich auf die Größeren verlassen, die Drittklässler sind eine gute Unterstützung, denn sie haben zwei Jahre Vorerfahrungen , die Kleinen haben Möglichkeit sich an den Älteren zwei Jahre lang zu orientieren.
2. Der weitere wichtige Punkt ist die Haltung der Lehrenden.
Der Neuköllner Lehrer hält “die Fäden in der Hand”, denn er meint, dass Lernen im Gleichschritt unter direkter Lehreranweisung der bessere Weg wäre. Doch da sind sich alle Pädagogen einig: Lehrerzentrierter Frontalunterricht ist in bestimmten Fällen eine durchaus sinnvolle Form der Instruktion, nicht aber die Regel.
Jedes Kind lernt keineswegs allein durch den Lehrer und schon gar nicht in gleichen Rhythmus, zur gleichen Zeit und das Gleiche wie die Mitschüler.
Die Selbstsicht der Weddinger Lehrerin, die sich mehr als Lernbegleiterin denn als Lehrerin sieht, beleuchtet den Unterschied deutlich.
Doch um so zu arbeiten, ist tatsächlich eine umfängliche Vorbereitung (am besten im Team), bestes Unterrichtsmaterial und die detaillierte Beobachtung der Schüler und Schülerinnen nötig und klare eingeübte Regeln, wie in der Klassen gearbeitet werden soll.

Es würde mich interessieren, ob diese Gegenüberstellung, die die Gegensätze erkennbar gemacht hat, eher zufällig zustande kam und willentlich so gestaltet wurde.

Freundliche Grüße

Ruth Weber
ehemalige Schulleiterin der Neuköllner Peter-Petersen-Schule