Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Spektrum in den Winterferien

Donnerstag, 3. Februar 2011

Das Wetter kann ja auch im Winter schön sein, wenn es dann auch schön ist. Ganz davon überzeugt, dass wir strahlenden Sonnenschein bei angenehm trockener Kälte erwischen würden, hatte icj Kinder der 2.4 –es waren Charlotte, Mira, Leonard und Phillip (der leider nicht kam), in den Winterferien zu einem Zoobesuch oder Besuch im Aquarium eingeladen.

Aber: Es war das mieseste Wetter, das es –außer in Katastrophen- für normale Berliner Verhältnisse denkbar ist, kalt, nass und neblig. Gut, werdet ihr sagen, dann eben ins Aquarium. Doch, wenn man so überlegt, was einen dort erwartete, gibt es wahnsinnig viel zu sehen, aber nicht so richtig zu tun. Und, liebe Schülerinnen und Schüler, ihr werdet euch so gut kennen, um zu wissen, dass man etwas tun muss, um sich wohl zu fühlen.

Darum war nun wieder einmal das Technikmuseum, das Spektrum genauer, das Ziel. Diesmal war es sehr voll dort. Kurz entschlossen fingen wir die Runde durch das Spektrum von oben an. Das war auch gut so: Denn es wurden zeitnah Kälte-Experimente angeboten, und zwar mit flüssigem Stickstoff. Er ist mit 78% Hauptbestandteil der Luft, also eigentlich gasförmig.

Aber bei – 196 Grad wird Stickstoff flüssig und kann zum Schockgefrieren genutzt werden. Die schockgefrorene Banane ließ sich wie ein Hammer nutzen, eine ebenso gefrorene Rose zerbarst wie Keramik beim Herabfallen in kleinste Stücke.

Doch am Nachmittag war trotz des Wetters Versteckspiel im Garten angesagt, denn „es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!“

Ich will nur das Beste für mein Kind

Donnerstag, 27. Januar 2011

Das intensive Gespräch zu Erziehungsfragen ist längst überfällig:

Natürlich muss es Regeln geben, natürlich müssen Kinder lernen Situationen zu ertragen, in denen ihnen etwas abverlangt wird, was sie im Moment gerade nicht wollen. Die Reaktion, dazu hätten sie “keine Lust”, konnte ich nur mit einem freundlichen Lächeln und den Worten: “Keiner hat verlangt, dass du dazu Lust hast. Mache es einfach ohne Lust!” parieren. Ein grundsätzliches lustbetontes Lernen wird immer wieder Phasen lustlosen Tuns erfordern, das ist im Leben  so. Oder waschen sich Leute nur dann, wenn die “Lust” dazu haben?

Aber dass die jungen Eltern im Moment keinerlei Distanz zu ihren Nachkommen haben, das beunruhigt. Ist es daraus zu erklären, dass sie keine anderen verbindlichen und auch sinnvollen Aufgaben haben als ihre Kinder?

Ist der “Lebens-Kampf” dem Kampf um das -vermeintlich- Beste für das eigene Kind gewichen?

Warum muss das Kind auf die eine (vielfach gewünschte) Schule kommen? Gibt es nicht anderes, auf das man stolz sein kann. Natürlich hängt die Entwicklung im Pubertätsalter sehr stark auch mit den Freundschaften zusammen, mit der Peergroup. Das lässt sich gestalten. Und eine fremd anmutende Peergroup stellt eine besondere Chance dar, eine Chance, Fremdes kennen zu lernen, sich selber kennen zu lernen, sich zu positionieren. Wollen wir wirklich dem Kind jede Reibung ersparen und uns dann wundern, dass die kleinste Unannehmlichkeit sie umwirft?

Ausflüge Oktober 2010

Donnerstag, 27. Januar 2011

Hat der gelacht, der John, er konnte gar nicht aufhören zu lachen und wir alle, Eda, Fabienne und Miro und ich, mussten mit lachen.

Aber das war erst am Nachmittag bei mir zu Hause am Kaffeetisch.

Hier seht ihr ihn mit einer Vogelpfeife, die er im Fez ausprobiert und gekauft hat

Wir waren nämlich vorher im .Fez gewesen, und zwar am Sonntag, dem 26.September. Dort fand gerade ein Samba-Festival statt

Leute, ist das ein Lärm, wenn 30 bis 50 Trommeln im Samba-Rhythmus geschlagen werden.

Zwar hatte ich im Internet gelesen, dass dieses Festival stattfinden würde, aber das Angebot am Eingang zum FEZ übersehen: Wir hätten Ohrstöpsel kaufen können.

Im Fez gab es natürlich wieder das Rappel-Zappel (Bilder im Internet) zum Toben, das reichlich genutzt wurde. Trommeln wurden erprobt und Zöpfe geflochten.

Wie lange die wohl gehalten haben?

Der nächste Ausflug mit der Stammgruppe 2.1 fand in den Herbstferien statt, nämlich am Dienstag, dem 19.Oktober. Unser Ziel war das Exploratorium in Potsdam.

Als wir gegen 11.15 Uhr dort ankamen (für 11.30 Uhr waren wir angemeldet), trafen wir, es war kaum zu fassen, Frau Albrecht, die Stammgruppenleiterin der 2.1. War das ein Zufall!!! Denn sie wusste weder, wann die Schülerinnen und Schüler den Ausflug machen wollten, noch wohin.

Frau Albrecht wollte halt das Exploratorium kennenlernen, sicher um einen Ausflug dorthin zu machen. Nun können die vier Experten: Salin, Seyda, Alisa und Günay, sie beraten. Es gab außerordentlich viel zu erproben, aus der Mechanik z.B. Flaschenzug, Optik, Akustik, Biologie, eben alle naturwissenschaftliche Bereiche.

Wie viel die Kinder im Einzelnen davon gelesen und wirklich erprobt und verstanden haben, vermag ich nicht einzuschätzen. Aber eines haben sie alle vier wirklich gemacht: nämlich Glibber für Halloween hergestellt.

Wollt ihr das Rezept kennen lernen:

Ihr braucht:

Ihr braucht

1 TL Johannesbrotkernmehr

150 ml Wasser

1Tablette Gebissreiniger mit Sodium Perbonate

Lebensmittelfarbe und Glitzer

2 Gläser, 1 Pipette, 1 Topf, 1 Löffel

So wird es gemacht:

Johannesbrotkernmehl in 100 ml Wasser einrühren, auf 50 – 60 Grad erhitzen, ins Glas geben und mit Farbe und Glitzer mischen.

Gebissreinigertablette in 50 ml Wasser auflösen und von dieser Lösung mit der Pipette 10 – 15Tropfeischung geben und schnell kräftig durchrühren.

Fertig ist der Glibberschleim!

Nicht zum Verzehr geeignet!! Das heißt: Auf keinen Fall essen!! Nach einigen Tagen entsorgen

Ausflüge mit Kindern

Montag, 23. August 2010

Weiter geht es mit den angekündigten Berichten über Ausflüge mit Kindern der einzelnen Stammgruppen.

Diese Berichte sollen Anregungen für mögliche Ausflüge sein.

Wie sich der eine Leser oder die andere Leserin sicher erinnert, hatte ich mir vorgenommen, die Kinderbauernhöfe in Berlin nacheinander zu besuchen. Es gibt eine ganze Reihe davon: In der Stadt Berlin selber habe ich neun entdeckt, am Stadtrand noch zwei, nämlich in Großziethen und Erkner.

Gleich am Anfang der Ferien waren Gülnihal, Arif und Ebrar aus Stg. 2.4 mit mir unterwegs. Es war ein heißer Tag und heiß war uns auch, als wir den Kinderbauernhof „Pinke-Panke“ in Pankow endlich erreichten. Es ist doch ein recht weiter Weg von Neukölln dorthin.

Das Spannendste auf dem Bauernhof Pinke-Panke waren die Holzaufbauten, in denen einzelne Kindergruppen ihren eigenen Gruppenraum hergestellt haben. Wir trafen dort Kinder, die gerade lernten, wie die Kaninchenställe zu säubern sind. Andere tobten auf den Holzaufbauten und wollten die Besucher gar nicht gern in ihrem Raum haben.

Bei allen Besuchen wurde mir klar, dass Kinder am meisten vom Kontakt zu einem Kinderbauernhof haben, wenn sie selber dort sich engagieren und regelmäßig sich um Teilbereiche, z.B. um die Gänse und Enten kümmern oder eben Kaninchenställe säubern.

Den Rest des heißen Tages verbrachten wir wieder im Swimming-Pool in meinem Garten.

Gänzlich anders war das Wetter am Mittwoch, dem 18. August 2010, kaum noch Sommerwetter.

Die Kinder aus der 2.5 waren eingeladen und außer Caglanur, die nach Aussagen ihres Vaters krank war, waren alle da: Jennifer, Binyamin und Hoang. Für Caglanur kam Nilay und war ganz glücklich, weil sie ja vor zwei Jahren schon einmal mit war auf einem Ausflug, damals allerdings im Herbst.

Unser Ziel war der Müggelsee und die Waldschule am Teufelssee.

Nun ja, nicht nur das Wetter auch die Verkehrslage (Staus und Umleitungen) war weniger angenehm, und der Anblick der Umgebung des Müggelturms war verstörend: völlig vernachlässigte Ruinen der ehemaligen Gaststätten.

Der Müggelturm selber ist völlig in Ordnung. Von oben waren der Müggelsee und die wunderbare Waldumgebung deutlich zu sehen.

Auch der Besuch in der Waldschule Teufelssee machten Spaß: Neu dort waren eine Duftorgel (mit wirklich klar erkennbaren Duftnoten, wie Apfel, Melisse etc.) und eine Geräuschebox, auf der für uns wenig bekannte Geräusche der Waldtiere zu hören sind, z.B. Fuchs, Waldkauz, Moorfrosch.

Diese Waldschule ist wirklich immer wieder anregend. Infos auf der Website des Waldschule. Ein Besuch mit der Familie lohnt sich, obwohl der Anfahrtsweg mit und ohne eigenes Auto doch eine Herausforderung ist. Hierhin gehört ein großes Lob an die Vier aus 2.5 , die trotzdem richtig fröhlich und nett miteinander umgingen.

Der Rest des Tages war dann trotz der relativen Kühle. dem Toben im Pool vorbehalten. Ich war sogar mit im Wasser, und wir haben gemeinsam einen Strudel in Gang gesetzt, indem wir lange im Kreis gerannt sind und uns dann vom Wasser tragen ließen.

Altersmischung -auch Jül- was bringt das?

Dienstag, 29. Juni 2010

Immer wieder wird die Schulanfangsphase als mit verursachend am Problem der Zweitklässler benannt. Vielleicht liegt es an der Halbherzigkeit, dass es eben nur zwei Jahrgänge sind, die gemeinsm arbeiten?

Wie lange hat denn ein Schulanfänger, der im Vorschulalter nicht oder wenig gefördert wurde, Zeit nachzulernen? Im ersten Jahr passt er sich dem Schulleben an, im 2. Jahr soll er schon alles nachgeholt haben und dann im 3. Schuljahr mit all den anderen Drittklässler in neuer Formation jetzt wieder auf gleicher Jahrgangsstufe in althergebrachten Sinn arbeiten.

In einer Dreierkombination hat jeder Schüler deutlich mehr Zeit sich zu entwickeln und nach zu lernen (in Ruhe). Es gibt von jeder Altersstufe eben nur 8 bzw. 9 Schüler. Die Entscheidung über den Wechsel in die obere Gruppierung fällt erst nach 2 vollen Jahren und kann sogar korrigiert werden im dritten Jahr. Entwicklungssprünge sind doch so ungewöhnlich nicht: Man spricht ja auch davon, dass “der Knoten geplatzt” sei.

Also schaut hin, ob nicht die Altersmischung von drei Jahrgängen “das Gelbe im Ei” ist. Petersen hat dieses Phänomen sorgfältig erforscht und diese Erkenntnis gewonnen.

Besuch mit einer amerikanischen Lehramtsstudentin in der Peter-Petersen-Schule

Samstag, 29. Mai 2010

Am Freitag, dem 28. Mai 2010, besuchte ich die Peter-Petersen-Schule wieder einmal. Diesmal begleitete ich eine junge Frau aus den USA, die eine Grundschule im Brennpunkt Berlins kennenlernen wollte.

Und wieder einmal war ich hingerissen, fast gerührt von der Offenheit und Herzlichkeit, die die Schülerinnen und Schüler Besuchern gegenüber an den Tag legten. Aber auch die Bereitschaft der Kollegen und Kolleginnen ein kleines Hallo, eine interessierte Frage, ein freundliches Wort an die Besucherin und an mich zu richten, war herzerfrischend. Das ist die Atmosphäre, die dem Lernen und Lehren wohl bekommt. Sie ist der Beweis, dass sich die Zielsetzung der PPS eine “Lebensgemeinschaftsschule”  zu sein, im Alltag realisiert.

Daneben gab es natürlich auch -soweit das möglich war- intensivere Gespräche. Vielen Dank besonders an Herrn Bock.

Wie sehr diese Art des Umgangs miteinander auch die Bereitwilligkeit und Kreativität der Kinder beflügelt, konnte ich in der Wochenschlussrunde in der Stammgruppe 1.4 beobachten: Als die Kinder sagen sollten, was für die gutlecht  und was für sie sch in der zurückliegenden Woche gewesen war, freute sich eine Schülerin darüber, dass sie für alle Mitschülerinnen und Mitschüler ein Bild gemalt hatte (mit Schablone zum Ausmalen), und sie verteilte für jedes Kind ein mit Namen versehenes Bild, wirklich für jedes Kind.

Manches der Mädchen umarmte die reizende Studentin herzlich und Ella umarmte uns alle. Vielen Dank den Kindern und dem wunderbaren Kollegium für diesen Empfang!

Melanchthon als Bildungsfachmann

Sonntag, 25. April 2010

Philipp Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt (* 16. Februar 1497 in Bretten; † 19. April 1560 in Wittenberg), war ein Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter. Er war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation und wurde auch „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt (aus Wikipedia).

Sein Todestag jährte sich am 19. April 2010, also gerade vor einigen Tagen, zum 450. Male. Aus diesem Grunde veranstaltete die Kreuzberger Ev. Melanchthon-Kirchengemeinde einen themenbezogenen Gemeindeabend. Essen und Trinken waren an Melanchthons Zeit angepasst, ein eindrucksvoller Vortrag ließ uns ihn besser kennenlernen. Flötenbegleitung beim Essen, aber auch die Präsentation anspruchsvoller Flötenstücke stellte den Rahmen dar.

Wichtig daran war für mich, dass das Leben und Wirken des Philipp Melanchthon lebendig wurde, gerade auch seine pädagogischen Gedanken.

Melanchthon war Humanist. Ihm war es wichtig, dass die Lernenden auch in den klassischen Tugenden, Mäßigung, Nächstenliebe, Ordnungssinn und Weltoffenheit, unterrichtet werden. Er begründet die Forderung folgendermaßen:

“Wenn wir andere Künste um ihres Nutzens willen bewundern, wie die Medizin und die Architektur, so muss uns zu Recht auch die Kunst gefallen, welche die Beschreibung der Tugenden enthält, weil sie für das Leben nicht weniger nützlich ist als jede andere. Wer sie studiert, wird dadurch besser.”

Wir würden heute von “sozialen Kompetenzen” sprechen, die zu erlernen unabdingbar ist, aber in den Schulen, speziell in den Gymnasien,  zu kurz kommt. Weltoffenheit könnten wir im Sinne der OECD als die Fähigkeit zur “Kommunikation in heterogenen Gruppierungen” verstehen.

Melanchthon hielt im Jahre 1526 eine Lobrede auf die neue Schule, als auf sein Betreiben hin das erste Gymnasium in Nürnberg gegründet wurde.

Wahrlich, wahrlich, die nehmen dem Frühling das Jahr weg, die die Schulen verfallen lassen. Die Jugend recht bilden, das ist mehr als Troja erobern.

Wer keine Mühe darauf verwendet, dass seine Kinder so gut wie möglich unterrichtet werden, handelt nicht nur pflichtvergessen gegenüber Gott, sondern verbirgt hinter einem menschlichen Aussehen seine tierische Gesinnung.

Verständnis gegenüber Lehrern zeigt M. auch, wenn er sagt:

Nicht einmal im Zuchthaus können Menschen unglücklicher sein denn als Lehrer. Die Aufgabe Schüler zu unterrichten ist so undankbar wie die, “ein Kamel tanzen oder einen Esel Flöte spielen zu lehren.” Der Lehrer arbeitet oft völlig vergeblich. Es fehlt den Schülern an jeglichem Interesse für die Sache. Nur gezwungenermaßen nehmen sie ein Buch in die Hand. Ihr Geist und ihre Augen gehen jedoch spazieren.”

Nun waren das hoffentlich nur gelegentliche Erfahrungen, die wir heute mit ihm teilen. Überwiegen ist  für alle Lehrerinnen und Lehrer die Freude an den Schülern, am Lehren und Selberlernen. Denn auch das ist Melanchthons Überzeugung, wie er sie in seinem Artikel über die “Grundlegung des gesellschaftlichen Lebens in der Schule” formuliert:

Ja, darin sage ich unter anderem: zwei Werte sind besser und göttlicher als alles, das dem menschlichen Wesen zugehört: die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Beide zu erforschen und zu entfalten ist den Schulen anvertraut.

Da also keine andere Lebensform für das Menschengeschlecht nützlicher und nötiger ist (..) als das schulische Leben, lässt es sich unschwer als höchste Lebensstufe verstehen.

Wie anders ist diese Aussage  zu verstehen, als dass schon Melanchthon die Forderung nach lebenslangem Lernen vorschwebte?




Mathematik in der Grundschule

Freitag, 16. April 2010

Hier soll ein Beispiel dargestellt werden, wie  mit Hilfe der Vergleichstest eine Schule, nämlich die Peter-Petersen-Schule in Neukölln, sich selber auf die Spur gekommen ist:
Die Ergebnisse der damals noch am Ende des 2. Schuljahres stattfindenden Vergleichstests waren bunt gemischt, von hervorragend bis schwach. Sie spiegelten somit die heterogene Lerngruppe wie zu erwarten war. Aber abgrundtief schlecht schnitt der Bereich Mathematik ab.

Eine Analyse der Situation machte deutlich, dass alle Kolleginnen, die die altersgemischten unteren Stammgruppen leiteten, Germanistinnen waren und ihr Schwerpunkt klar im verbalen Bereich, Lesen, Erzählen, Schreiben und Gestalten lagen, Mathematik nur Addieren, Subtrahieren  und das Einmaleins lernen bedeutete. Auch hatten die Kinder kaum Erfahrungen mit Würfelspielen, Bauklötzchen hantieren etc.

Die Fachbereichsleiterin für Mathematik, zugleich Konrektorin, begann sofort damit, die Kolleginnen in der Fachkonferenz Mathematik über neue  Erkenntnisse zu informieren, Materialien wurden angeschafft und für Kinder, die überhaupt keine Mengen- und  Raumvorstellungen entwickelt hatten (kein Spielzeug im Vorschulalter), wurde ein Stützkurs eingerichtet.

Die Ergebnisse des folgenden Jahres waren deutlich besser. Man darf allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass es sich bei der erstgenannten Gruppe um eine insgesamt eher schwache Gruppe handelte. Die Gruppe, die den nächsten Test absolvierte, war anders zusammengesetzt. Trotzdem ließ diese Arbeit erkennen, dass Schule anhand von Vergleichsergebnissen Strategien entwickeln können, die positive Veränderungen zur Folge haben.

In den Jahren danach wurde aufgrund der Ergebnisse, die ja in vielen Fällen Entwicklungsbedarf sichtbar gemacht hatten, das Sinusprojekt entwickelt. Dieses gibt dem teilnehmenden Lehrer als Multiplikator viele Möglichkeiten an die Hand, die  im Mathematikbereich sinnvoll gearbeitet werden kann.

Auch das ist eine sinnvolle Folge von Vergleichstests.

Ein beleuchtendes Beispiel „ungerechter“ Vergleiche als Erklärung für den Frust von Lehrer/innen

Dienstag, 13. April 2010

In den achtziger Jahren wurden die Ergebnisse des Schwimmunterrichts (damals im Curriculum der 4. Klasse) von den Schulen abgefordert und verglichen. Bei schlechten Ergebnissen musste die Schulleitung diese erklären (rechtfertigen).
Im Anfang meiner Schulleitungstätigkeit war mein Sohn gerade 4.Klässler.  25 von den 26 Schülern seiner Klasse hatten bereits zu   Seepferdchen. Ein einziger musste also noch schwimmen lernen. Das 100 % positive Ergebnis der Schule wurde belobigt.
In meinen 4. Klassen einer Nord-Neuköllner Grundschule gab es mehr als 50 % von Schülern, die noch nie in einem Schwimmbad gewesen waren. Sie mussten einen langen Weg gehen, das Procedere eines Schwimmbadbesuchs erlernen,  Wassergewöhnungstraining erleben, sich trauen mit Schwimmhilfen umzugehen etc.
Dass es ein ungeheurer Lernerfolg war, wenn dann solche Schüler am Ende des einjährigen Schwimmunterrichts einige Stöße im tiefen Wasser schafften, liegt auf der Hand.
Ich aber musste das schwache Ergebnis dem Schulamt gegenüber rechtfertigen.
Vielleicht erklärt das den Widerstand der Lehrer aus den sozialen Brennpunkten.
Doch sollten sie aus meiner Sicht das ehrliche Ergebnis nutzen, um Verwaltung, Politik, aber auch die Wissenschaft immer wieder auf diese Probleme aufmerksam zu machen.
Die Verweigerung der Tests gibt leider eher eine Steilvorlage zum „Krieg auf falschen Kriegsschauplätzen“ (Dienstaufsichtsbeschwerde), die Arbeitskraft am falschen Ort bindet. Das erinnert mich an den „Krieg“ um die Rütli-Schule, wo die erste Reaktion des „Amtes“ war herausfinden zu wollen, wer den offenen Brief an die Zeitung lanciert hatte.

Vergleichstests wären wunderbar, wenn….

Dienstag, 13. April 2010

Politik und Gesellschaft die darin enthaltenen Informationen wahrnehmen- und ernst nehmen würden.
Welche Informationen ich meine?
Solche, die Statistiker durch Vergleiche bestimmter Gruppierungen und Zusammensetzungen der Schülerschaft ans Licht der Öffentlichkeit bringen.
Vergleiche von Testergebnissen z.B. zeigen, dass Schüler mit Migrationshintergrund in Gruppierungen mit mindestens 50% Schülern aus deutschsprachigen Elternhäusern mehr lernen konnten als in Zusammensetzungen, in sie die Mehrheit bilden.
Und sie zeigen, dass die individuellen Leistungen der leistungsstärkeren Schüler dadurch keineswegs behindert werden.
Die Mischung macht’s, aber keiner traut sich daran, diese Erkenntnis als Orientierung zu nehmen, um das Niveau aller zu heben, ohne damit  dem Einzelnen zu schaden.
Eltern mit Bildungshintergrund müssen begreifen:
Ihr Kind wird durch das Lernen in solchen gemischten Lerngruppen um Erfahrungen im Umgang mit Kindern anderer Herkunft bereichert, ohne dass ihm etwas genommen wird.
Die Erfahrungen sind sogar für die Zukunft wichtig, denn diese Bevölkerungsgruppe bleibt uns erhalten und wir benötigen sie „ausgebildet“.
Also sollten wir doch alles tun, um ihnen Lernen zu ermöglichen.
Und wo effektvollere Mischung nicht möglich ist, müssen Hilfs- und Unterstützungsstrukturen (auch im Hinblick auf die Schulung von Lehrern) gezielt eingesetzt werden.