Das intensive Gespräch zu Erziehungsfragen ist längst überfällig:
Natürlich muss es Regeln geben, natürlich müssen Kinder lernen Situationen zu ertragen, in denen ihnen etwas abverlangt wird, was sie im Moment gerade nicht wollen. Die Reaktion, dazu hätten sie “keine Lust”, konnte ich nur mit einem freundlichen Lächeln und den Worten: “Keiner hat verlangt, dass du dazu Lust hast. Mache es einfach ohne Lust!” parieren. Ein grundsätzliches lustbetontes Lernen wird immer wieder Phasen lustlosen Tuns erfordern, das ist im Leben so. Oder waschen sich Leute nur dann, wenn die “Lust” dazu haben?
Aber dass die jungen Eltern im Moment keinerlei Distanz zu ihren Nachkommen haben, das beunruhigt. Ist es daraus zu erklären, dass sie keine anderen verbindlichen und auch sinnvollen Aufgaben haben als ihre Kinder?
Ist der “Lebens-Kampf” dem Kampf um das -vermeintlich- Beste für das eigene Kind gewichen?
Warum muss das Kind auf die eine (vielfach gewünschte) Schule kommen? Gibt es nicht anderes, auf das man stolz sein kann. Natürlich hängt die Entwicklung im Pubertätsalter sehr stark auch mit den Freundschaften zusammen, mit der Peergroup. Das lässt sich gestalten. Und eine fremd anmutende Peergroup stellt eine besondere Chance dar, eine Chance, Fremdes kennen zu lernen, sich selber kennen zu lernen, sich zu positionieren. Wollen wir wirklich dem Kind jede Reibung ersparen und uns dann wundern, dass die kleinste Unannehmlichkeit sie umwirft?